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Kälte und geopolitische Risiken sorgen für Preisanstieg zu Jahresbeginn

Zu Beginn des Jahres 2025 stiegen die Preise an den Energiemärkten deutlich. Am Gas-Spotmarkt führten kaltes Winterwetter, eine geringe Windstromerzeugung und niedrigere Gasexporte zu einem knapperen Angebot. In der Folge erreichten die Gaspreise am Spotmarkt Anfang Februar den höchsten Stand seit Anfang 2023, und es wurde verstärkt auf europäische Gasspeicher zurückgegriffen.

Gleichzeitig sorgten geopolitische Spannungen für Aufwärtsdruck am Gas-Terminmarkt, insbesondere nach Berichten über einen Drohnenangriff auf die TurkStream-Pipeline. Der Preisanstieg wurde jedoch durch einen temporären Waffenstillstand im Nahen Osten begrenzt.

Die Strom-Terminmarktpreise orientierten sich zu Jahresbeginn eng an den Entwicklungen der Gas- und Brennstoffmärkte und erreichten Mitte Februar mit dem Jahreskontrakt 2026 ihr Jahreshoch. Auch der Strom-Spotmarkt war durch die kältebedingte erhöhte Nachfrage und die geringe Einspeisung erneuerbarer Energien spürbar beeinflusst.

Januar + Februar
Aaron Burden 5Aiwn2u10cw Unsplash

Hohe LNG-Zuflüsse und starke Solarerzeugung prägen das Frühjahr

Im März 2025 stieg die LNG-Zufuhr nach Europa deutlich an, da die Nachfrage in Asien schwächer ausfiel und zusätzliche Liefermengen nach Europa umgeleitet wurden. Gleichzeitig waren die europäischen Gasspeicher mit nur 39 % historisch niedrig gefüllt, was die EU dazu veranlasste, ein verbindliches Speicherziel von 90 % bis zum 1. November einzuführen.

Am Strommarkt führten außergewöhnlich sonnige Wetterbedingungen im März und April zu einer stark erhöhten Solarstromerzeugung und mehreren negativen Stundenpreisen; am 30. April fiel der Strompreis am Spotmarkt zeitweise auf bis zu −24,02 €/MWh.

Am 9. April fiel der Jahreskontrakt 2026 auf 88,26 € pro MWh und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Dezember 2024. Parallel sorgten geopolitische Spannungen zwischen Russland und der Ukraine sowie stockende Friedensgespräche für erhöhte Preisschwankungen. Zusätzlich verschärfte sich der globale Handelskonflikt: Präsident Trump weitete die US-Importzölle aus, worauf China mit neuen Zöllen reagierte. Dies belastete die europäische Industrie und verstärkte die Sorgen vor einer möglichen globalen Rezession.

März + April
Matthew Henry Yetqklnhsui Unsplash

Rekord an negativen Strompreisen

Im Mai drückte das starke Wachstum der erneuerbaren Energien, insbesondere der Solarstromerzeugung, die Strompreise am Spotmarkt deutlich. Es wurden überdurchschnittlich viele negative Stundenpreise
verzeichnet, mit einem Tiefstwert von −252,60 €/MWh am 11. Mai. Gleichzeitig blieb die Verfügbarkeit französischer Kernkraftwerke aufgrund ungeplanter Ausfälle, hoher Kühlwassertemperaturen und Korrosionshinweisen eingeschränkt, was die Volatilität erhöhte. Zudem senkte die EU im Mai das Gasspeicherziel auf 83 % und verschob die Frist auf den 1. Dezember.

Im Juni lagen die Temperaturen über dem saisonalen Durchschnitt. Gleichzeitig nahmen die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zu: Drohungen Irans, die Straße von Hormus zu schließen, sowie militärische Eskalationen zwischen Israel, Iran und den USA ließen Öl- und Gaspreise ansteigen. Nach der angekündigten Waffenruhe am 24. Juni blieb die Straße von Hormus offen, was zu einer spürbaren Beruhigung an den Energie- und Rohstoffmärkten führte.

Mai + Juni
Windmill Grassland Field Hill Natural Scenics Concept

Sommerhitze sorgt
für steigende Strompreise

Im Juli führten außergewöhnlich hohe Temperaturen und eine erste Hitzewelle zu einer deutlich steigenden Stromnachfrage für Kühlzwecke; In Unterkärnten und im östlichen Flachland wurden Höchstwerte von bis zu 38 Grad gemessen. Gleichzeitig ging die Windstromerzeugung zurück, sodass konventionelle Kraftwerke verstärkt eingesetzt wurden und die Strompreise am Spotmarkt anzogen. Trotz rückläufiger Nachfrage in Europa und hoher Lagerbestände stieg der Kohlepreis im Juli an, während die kohlebasierte Stromerzeugung infolge hoher Temperaturen, niedrigerer Gaspreise und einer schwächeren industriellen Aktivität weiter zurückging. Die Lockerung der Importzölle zwischen den USA und China stabilisierte die Energiemärkte vorübergehend und verbesserte die Nachfrageerwartungen.

Im Juli und August blieb der Gaspreis trotz erhöhter Nachfrage für Kühlzwecke leicht rückläufig, da die industrielle Nachfrage während der Ferienzeit gedämpft war und ein ausreichendes Angebot zur Verfügung stand. Die LNG-Importe nach Europa gingen zurück, da Liefermengen infolge anhaltender Hitzewellen verstärkt nach Asien umgeleitet wurden. Gleichzeitig sorgte die US-Handelspolitik weiterhin für Unsicherheit an den Märkten.

Juli + August
Close Up Thermometer Showing High Temperature

Windüberschüsse und geopolitische Risiken im Herbst

Im September führten außergewöhnlich hohe Windstrommengen zu zahlreichen negativen Stundenpreisen; am 15. und 16. September lag die Erzeugung jeweils bei über 800 GWh. Nach dem Ende der norwegischen Wartungssaison Anfang September 2025 stieg zudem die Gaszufuhr nach Europa deutlich an und entspannte das Angebot. Gleichzeitig zog die Nachfrage nach Emissionszertifikaten im Vorfeld der Compliance-Frist Ende September an und ließ die CO2-Preise steigen.

Im Oktober wurde am 4. Oktober mit −0,29 €/MWh der einzige negative Tagesdurchschnittspreis des Jahres verzeichnet, begünstigt durch weiterhin hohe Windstrommengen. Im weiteren Verlauf des Monats erhöhte kälteres Herbstwetter bei gleichzeitig geringerer Einspeisung erneuerbarer Energien die Gasnachfrage. Die gestiegene Verfügbarkeit französischer Kernkraftwerke erhöhte das Stromangebot, konnte steigende Spotmarktpreise jedoch nur teilweise dämpfen.

Geopolitische Risiken – darunter Angriffe auf Energieinfrastruktur, ein ukrainischer Drohnenangriff sowie die zeitweise Beschlagnahmung eines Tankers durch den Iran in der Straße von Hormus – sorgten zusammen mit wechselhaften Signalen aus den Friedensgesprächen zwischen Russland, der Ukraine und den USA für anhaltende Unsicherheit an den Energiemärkten.

September + Oktober
Offshore Wind Power (1)

Mildes Wetter sorgt zum Jahresende für entspannte Energiemärkte

Zum Jahresende gaben die Gaspreise deutlich nach. Starke LNG-Zufuhren, stabile Pipeline-Lieferungen aus Norwegen, mildes Winterwetter und eine hohe Windstromerzeugung stützten das Angebot, sodass der Gas-Spotmarktpreis im Dezember an mehreren Tagen unter 29,00 €/MWh fiel. Auch die Gas-Terminmarktpreise gingen weiter zurück: Der Jahreskontrakt 2026 erreichte am 16. Dezember mit 26,18 €/MWh den niedrigsten Stand seit März 2022. Begleitet wurde dies von einem fallenden Ölpreis, der angesichts erwarteter Überangebote 2026 auf den niedrigsten Stand seit Februar 2021 sank.

Am Strommarkt führten überdurchschnittlich milde Temperaturen und eine hohe Windstromerzeugung im Dezember zu einer geringeren Nachfrage für Heizzwecke und sinkenden Spotmarktpreisen. Gleichzeitig ging die kohlebefeuerte Stromerzeugung zurück, wodurch der Kohlepreis am 16. Dezember auf den niedrigsten Stand seit Februar 2024 fiel. Zum Jahresende stieg der CO2-Preis infolge eines geringeren Angebots und weniger erwarteter Auktionen 2026 auf über 85 €/t und erreichte damit den höchsten Stand seit zwei Jahren.

November + Dezember
Closeup Computer Monitor With Graph Background Windmill

Fazit: Energiepreisentwicklung 2025

Die Energiepreisentwicklung 2025 verdeutlicht, wie eng Gas- und Strompreise mit Wetterbedingungen, geopolitischen Rahmenfaktoren und der Marktdynamik verknüpft sind. Erneuerbare Energien führten wiederholt zu Phasen niedriger Spotmarktpreise, insbesondere während der sommerlichen Mittagsstunden, während sich die Gaspreise weiterhin an globalen Entwicklungen orientierten. Für Unternehmen und Energieverbraucher zeigt 2025 einmal mehr, wie entscheidend eine vorausschauende und flexible Energiestrategie ist, um Kosten gezielt zu steuern, Einsparpotenziale zu nutzen und die Versorgung langfristig abzusichern.

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Hannes Pachler